7. Tag
        Fr., 13.7.2007        88,3 km      1060 m         Tenero - Verzasca - Mezzovico

Liebes Tagebuch, heute war ein anstrengender Tag :-) Aber ich hatte es mir ja so ausgesucht. Rückblickend war es nun ziemlich klasse, dass der Campingplatz in Locarno mich nicht wollte - das hat mir die Strecke für heute 2x verkürzt. Ich checkte zwar aus (noch einmal 42 SFR mussten echt nicht sein), durfte aber mein Gepäck in der Krankenstation einschließen, während ich ins Verzasca-Tal (hoch-)fuhr. Das ist ein 25 km langes Tal, das aber vom See aus gemessen 720 Höhenmeter in die Berge führt. Am Anfang des Tales gibt es eine Staumauer zu bewundern, wo schon James Bond - also Pierce Brosnan - also ein Stuntman - einen berühmten Bungee-Sprung hingelegt hat.

Das Valle Verzasca ist ein Muss für alle, die "Tessin in Reinkultur" sehen wollen. Viele Rustici (wir erinnern uns - die Steinhäuser), Steinbrücken, wilder Bach. Genau das gab es dann auch zu sehen, und ich fuhr bis zum Ende der Straße in Sonogno und verputzte dort ein unterwegs gekauftes Stück Brotkuchen (Torta di Pane). Die Kastanie ist hier übrigens Markenzeichen und Grundstoff. Ein Kastanienbrot kaufte ich z.B. auch noch.

In Lavertezzo steht eine berühmte Steinbrücke, von der gelegentlich Wagemutige in den Bach springen, der nicht wirklich großflächig tief ist. Trotzdem sieht man hier zusätzlich zum "normalen" Badebetrieb immer wieder Leute mit Tauchausrüstung, die den Bach und die Felsen "von unten" erkunden.

Die Rückfahrt - wie alles heute - in knalliger Sonne war natürlich einfach. Wegen des Gegenwindes zwar kein Selbstläufer, aber für 28 km doch ganz schön kurz. Zurück am See, jetzt ohne Fahrtwind: Hitze! Nach dem Abholen der Taschen (und eincremen!) ging die Reise nun weiter - bzw. erst einmal wieder zurück bis kurz vor Bellinzona, wo die Veloroute völlig unspektakulär mitten auf einem Feldweg abzweigte. Die Streckenführung erschien mir zuerst wie ein Umweg, aber bald wurde mir klar warum - und auch warum Lago Maggiore und Lago di Lugano ZWEI Seen sind: dazwischen ist eine Bergkette. Und da musste ich hinüber! Die offizielle Radroute - und wohl auch die einzige - führt hier als gestrichelter gelber Randstreifen auf einer stark und schnell befahrenen Straße über den Monte Céneri. "340 Höhenmeter auf 6 km" laut Schild. Eigentlich gut machbar, aber 1. nach dem Frühsportprogramm, 2. bei der Hitze und 3. bei dem Verkehr auch noch mental anstrengend - diesen Streckenabschnitt fand ich MIST! Trotz der schönen Aussicht auf Locarno und Bellinzona.

Nach dem "Pass" ging die Route aber sehr versöhnlich weiter. Kleine Straßen in Dörfchen, Wald- und Feldsträßchen. Ich sah etliche Eidechsen und eine schwarze Schlange - gar nicht mal so winzig, nur leider zu schnell fürs Foto im Gras verschwunden. Die Zeltplatzpleite von Locarno wollte ich in Lugano nicht wieder riskieren, war aber auch sowieso geschafft genug, so dass ich mich in Mezzovico über den Wegweiser vom Radweg zu einem Zeltplatz freute. Es war dort recht laut, denn sowohl die Hauptstraße als auch die Autobahn nach Lugano müssen durch das Tal. Egal - schlafen konnte ich trotzdem. Vorher gab es aber noch eine Kochsession mit frisch gekauftem Hackfleisch und Gemüse: Lecker Nudeltopf mit Hack und Zwiebel, Tomate, Paprika. Anschließend noch ein 0,25-Liter-Fläschchen "Walliser Qualitätswein" von der Rhone. Vermutlich genau die "Qualität", die man mit einer kleinen Tüte Chips aufpeppen sollte :-)

Übrigens - Tunnel sind doof.